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DIE UNIVERSELLE SEMIOTISCHE MASCHINE

In der letzten Woche hatte ich Gelegenheit, das Buch ‘Information Theory and Evolution’ von John Avery zu lesen. Eigentlich interessierte mich die Frage, ob und wie man das Verhältnis zwischen der offensichtlichen  ‘Konzentration von Energie’ im Falle biologischer Systeme mit dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik  plausibel machen kann (eine gute intuitive Formulierung des zweiten Hauptsatzes von Claudius findet sich bei  Enrico Fermi (1937, repr. 1956, S.30): ‘A transformation whose only final result is to transfer heat from a body at a given temperature to a body at a higher temperature is impossible.’). Die eigentliche Frage konnte ich für mich noch nicht befriedigend beantworten  (siehe meine kurze Buchbesprechung hier: Buchbesprechung Avery), aber das Buch war –und ist– äußerst informativ und anregend. So ergaben sich interessante Hinweise auf eine Reihe von Themen, die im Blog schon öfters angesprochen wurden (siehe auch das beigefügte Diagramm).

(1) Eine intensiv diskutierte Frage seit Jahrhunderten ist die Frage nach der Bedeutung und der Rolle des Selbstbewusstseins.

(2) Von den verschiedenen Analysestandpunkten (introspektiv (1st person), verhaltensbasiert (3rd person), physiologisch (3rd person)) aus ergeben sich unterschiedliche Zugänge.

(3) Avery zieht in seinem Buch eine lange Linie quer durch die gesamte Evolution, die zeigt, daß und und wie sich auf allen Ebenen Informationsprozesse identifizieren lassen, die strukturverändernd wirken, vom Molekül bis hin zur menschlichen Kultur.

(4) Allerdings verwendet Avery für diese verschiedenen Ausprägungen von Kommunikation kein einheitliches theoretisches Modell. Dies verwundert ein wenig, da er im Anhang B auf 2.25 Seiten die Semiotik mit Schwerpunkt Biosemiotik kurz erwähnt. Die Semiotik könnte zumindest eine Variante eines Modells anbieten, das von der ersten Zelle bis hin zu komplexen kulturellen Kommunikationsprozessen in der Lage ist, die entscheidenden Mechanismen zu beschreiben.

(5) Benutzt man das semiotische Zeichenmodell (siehe z.B. Peirce, Morris oder Saussure), dann hat man immer die drei Elemente (i) Zeichenmaterial, (ii) Bezeichnetes sowie (iii) Bedeutungsstiftende Beziehung durch einen Zeichenbenutzer. Der Zeichenbenutzer ist ein ‘System’, das bei vorhandener Bedeutungsbeziehung beim Auftreten eines Zeichenmaterials das Bezeichnete ‘generiert’; die ‘Herstellung’ einer Bedeutungsbeziehung geschieht entweder ’strukturell’ durch ‘Wachstum’ oder aber ‘adaptiv’ durch Lernen. Sofern Bedeutungsbeziehungen vorliegen sind diese mehr oder weniger ‘determiniert’.

(6)Während der ‘Entwicklungsweg’ von der Organisationsebene der Atome (die selbst komplex sind) bis hin zu den ersten Zellen im Detail noch immer vielfältigen Forschungen unterliegt ist aber so viel klar, dass die heute auf der Erde bekannten Lebensformen dort beginnen, wo die Fähigkeit zur Selbstreproduktion beginnt. Diese Struktur der Selbstreproduktion kann man als (Primäres) Semiotisches System (PSS) bezeichnen: Als Zeichenmaterial dient die mRNA; dieses wird durch einen ‘geeigneten’ Molekülkomplex (Zeichenbenutzer) anhand vorgegebener Rahmenbedingungen (Bedeutungsbeziehung) ‘übersetzt’ in andere ‘geeignete’ Molekülstrukturen (Bezeichnetes Objekt), die dann zur Bildung jener Strukturen führen, die wiederum reproduktionsfähig sind.

(7) Man könnte diese Art von Zeichenbenutzer ‘primäre’ semiotische Systeme nennen, doch ist dies ein bischen willkürlich. Denn wenn sich bei einem Vererbungsprozess zwei Molekülketten zu einem neuen Molekül verbinden, könnte man auch sagen, dass der umgebende ‘Molekülraum’ der Zeichenbenutzer ist, der bei Vorliegen gewisser Randbedingungen (Zeichenmaterial) eine vorgegebene Bedeutungsbeziehung in Form eines definierten chemischen Prozesses aktiviert, der die Randbedingungen in das durch diese Bedeutungsbeziehung definierte Bezeichnete (das neue vereinte Molekül) überführt/ übersetzt/ transformiert. Wandert man auf dem Gradienten des Organisationsniveaus immer weiter ‘nach unten’, dann kann man den Übergang von Atomen zu Molekülen ebenfalls als semiotischen Prozess modellieren. Dann wird der umgebende Raum aller Atome zum Zeichenbenutzer, dessen Bedeutungsbeziehung ansatzweise durch die sogenannten ‘Naturgesetze’ beschrieben wird. Und noch weiter ‘nach unten’ lässt sich dann auch der Übergang von den subatomaren Teilchen zu den Atomen als semiotischer Prozess modellieren: die subatomaren Teilchen bilden jenes Zeichenmaterial, das der umgebende Raum aller verfügbaren Teilchen als Zeichenbenutzer nach vorgegebenen Zuordnungen zu unterschiedlichen Atomen (das jeweils durch die Zeichenbeziehung Bezeichnete)  ‘formt’/ ‘generiert’…

(8) Diese universelle Anwendbarkeit des semiotischen Modells ist schon ein wenig verblüffend. Es fragt sich aber, ob uns dies irgendwie weiterhilft?

(9) Folgt man dem Gradienten des Organisationsniveaus ‘von unten nach oben’, dann lässt sich feststellen, dass der Zeichenbenutzer sich von einem ‘Raum von wirkenden Regeln auf der Basis seiner Bestandteile’ immer mehr hin entwickelt zu konkret fassbaren Strukturen, die sich als ‘materielle Input-Output-Systeme’ abgrenzen lassen von ihrer ‘Umgebung’; dies beinhaltet die Konkretisierung der ‘Oberfläche’ des Systems mit einer zusätzlichen Spezialisierung hin zu rein ’stützenden’, ’sensitiven’ und ‘aktiven’ Komponenten. Bei dieser zunehmenden ‘Konkretisierung’ einer Organisationsstruktur bleiben  alle anderen semiotischen Ebenen erhalten. Im Falle von Pflanzen und dann insbesondere bei den Tieren kann man dann beobachten, wie die ’strukturellen’ Zeichenbenutzer zusätzliche Teilstrukturen ausbilden (Nervensystem, explizite Signalsysteme), die die Bindung an eine biologische Struktur überschreiten und die Möglichkeit schaffen, zeichenbasierte Kommunikation auszubilden, bei denen sowohl das Zeichenmaterial wie auch das Bezeichnete bis zum gewissen Grade ‘frei wählbar’ ist und deren Bedeutungsbeziehungen weitgehend ‘frei definierbar’ sind. Vielleicht bietet sich hier an, die Unterscheidung einzuführen zwischen einer ’strukturbedingten’ Semiotik und einer ’strukturfreien’ Semiotik. Die  ‘Freiheit’ innerhalb der ’strukturfreien’ Semiotik ist natürlich nicht im absoluten Sinne zu nehmen, da die körperlichen Randbedingungen klare Grenzen setzen. Mit der Genetik und dem Aufkommen der Informationstechnologie werden diese körperbedingten Randbedingunen aber ’schwimmend’. Umgekehrt ist die ‘Bedingung’ in der ’strukturbedingten’ Semiotik nicht völlig starr, sondern –wie man am Beispiel der genetischen Vererbung sehen kann– umfasst kombinatorische Räume, deren Nutzung unterschiedliche Ergebnisse zulässt.

(10) Ein anderer Gradient neben dem Organisationsniveau ist sicher die ‘Koordinierung’. Vom subatomaren zum Atomaren, vom Atom zu Molekül, vom Molekül zu Molekülstrukturen hin zu reproduzierenden Strukturen, zu Zellen, zu Vielzellern, usw. besteht die Notwendigkeit, die ‘Bestandteile’ der jeweils größeren Einheit so zu ‘koordinieren’, dass die ‘übergeordnete’ Einheit funktional werden kann (in diesem Zusammenhang gehört vielleicht auch das Reden von der ‘Emergenz’).  Koordinierung kann aber nur funktionieren, wenn die interagierenden Bestandteile in irgendeiner Weise ‘Austauschprozesse’ organisieren können, deren unterscheidbaren Bestandteile als Zeichenmaterial funktionieren können, das mithilfe vorhandener Bedeutungsbeziehungen in entsprechende ‘intendierte’ Veränderungen (das jeweils Bezeichnete) überführt werden können. M.a.W. ‘Koordinierung’ impliziert ’semiotische’ Prozesse, die eine hinreichende ‘Kommunikation’ ermöglichen. Beliebte Beispiele solcher Kommunikation, die Koordinierung ermöglicht, stammen aus dem Bereich der Ameisen und Bienen oder aus dem Jagdverhalten von in Rudeln jagenden Raubtieren. Tatsächlich liegt solch eine Koordinierung ermöglichende Kommunikation aber als ermöglichender Faktor auf allen Organisationsebenen vor. Am komplexesten vielleicht ausgeprägt im Bereich der menschlichen Kultur, die sich seit ca. 12.000 Jahren immer rasanter entwickelt.

(11) Ein weiterer wichtiger Gradient kann die ‘Vorausberechenbarkeit (Planbarkeit)’ des ‘eigenen’ Zustands bzw. des Zustands ‘aller beteiligten Systeme’ sein: um z.B. die verfügbaren begrenzten Ressourcen ‘besser nutzen’ zu können, wäre es hilfreich, wenn man die möglichen ‘Folgezustände’ sowohl des eigenen Körpers (Müdigkeit, Hunger, Durst,….) wie auch der jeweiligen Umgebungen weitmöglichst voraus berechnen könnte. Dies setzt voraus, dass sich sowohl Körper- wie auch Umgebungszustände ‘modellhaft’ innerhalb des agierenden Systems ‘generieren’ lassen, so dass man mittels dieser ‘Modelle’ dann deren mögliches ‘Verhalten in der Zukunft’ ‘ablesen’ könnte. Je besser diese Modelle wären, um so größer der ‘Vorteil’ in der Nutzung der knappen Ressourcen.

(12) Vor dem Hintergrund der Vorausberechenbarkeit stellen Nervensysteme, die sowohl die Zustände des eigenen Körpers wie auch wichtige Aspekte der jeweiligen Umgebung ‘modellieren’ können, eine extreme Verbesserung dar. Dazu gehört auch die Art und Weise der Modelle selbst: welche Aspekte der Umgebung werden wie repräsentiert und wie sind diese Modelle geeignet, das ‘eigene’ Verhalten bzgl. des eigenen Körpers und der jeweiligen Umwelt so zu ‘leiten’, dass ‘passende’ Aktionen erfolgen können, die dem System ‘tatsächlich nützen’. Vor diesem Hintergrund ist das Phänomen des ‘Selbstbewusstseins’ möglicherweise interpretierbar als jene Modellierungsleistung des Nervensystems, die dem System ein –notgedrungen stark vereinfachendes–  ‘Modell seiner selbst’ zur Verfügung stellt. Dies ist eng verknüpft mit einem ‘Modell der Aussenwelt’ (von dem wir heute auch wissen, dass es nur Teilaspekte der messbaren Umgebung abbildet und diese z.T. stark idealisierend oder gar verzerrt). Nichtsdestotrotz bildet dieses Phänomen der systemimmanenten ‘Modellierung’ des Systems mit seiner Umgebung einen ungeheuerlichen Schritt dar. Damit können z.B. menschliche Systeme ihre Planungen durch Kommunikation in einer Weise koordinieren, die in wenigen tausend Jahren zu einer absoluten biologischen Explosion auf der Erde geführt hat, die durch die Verfügbarkeit von Computern viele körperbedingte Beschränkungen in der Modellierung weit hinter sich lassen kann. Mit der zusätzlich verfügbar werdenden Gentechnik können parallel auch die heute vorgegebenen körperlichen Begrenzungen in der Zukunft eventuell ‘weiter ausgedehnt’ werden.

(13) Das ‘Staunen’ der klassischen Philosophie über das Phänomen des Selbstbewusstseins und die Projizierung der hier vorfindlichen Objekte und Strukturen hinein in ‘metaphysische’ Modelle von Mensch, Welt und Geist müssen angesichts der sich hier neu eröffnenden Perspektiven einer weitgehenden Revision unterzogen werden. Dies läuft  nach meiner Einschätzung nicht hinaus auf eine ‘Verabschiedung’ des ‘Geistes’ sondern auf ein weit umfassenderes und radikaleres Verständnis als je zuvor. Jenseits der unseligen Trennung von ‘klassischen Geist’ und ‘klassischer Materie’ gibt es nur noch ‘Geist.Materie’ , oder wie immer man dieses vielschillernde Etwas nennen will, aus dem sich alles ‘herausentwickelt’, was wir heute kennen, einschliesslich unserer menschlichen ‘Geistigkeit’.

(14) Es gibt –wie immer– sehr viele Autoren, die man hier an den einzelnen Stellen zitieren könnte und müßte. Aber, wie schon mehrfach gesagt, es geht hier um meinen persönlichen Versuch, viele Einzelteile und Versatzstücke für mich selbst zu ‘ordnen’ um mein eigenes Denken zu ‘orientieren’, ohne dass ich irgendwie den Anspruch auf Originalität erhebe. In der Regel ist jeder Gedanke irgendwann immer schon mal von einem anderen gedacht worden. In den offiziellen Publikationen versuche ich mich denn auch an die üblichen Zitierregeln zu halten. Dies hier ist eine private ‘Spielwiese’ für Gedanken…..

The Semiotic Dimension

ZUR GRAMMATIK DES SINNS (1)

(1) In dem Blogeintrag “Wir  sind nicht Nichts” wird sichtbar, dass wir allein durch die Tatsache, dass wir aktuell leben,
an einem  Geschehen teilhaben, das dessen Tragweite und Tiefe alles übersteigt, was wir normalerweise denken und
 kommunizieren.

(2) Der mögliche ‘Sinn’ dieses Geschehens, also ein möglicher ‘Zusammenhang’ zwischen all den vielen ‘Aspekten’ dieses
geradezu kosmischen Prozesses, enthüllt sich für uns Menschen –wenn überhaupt– zunächst nur als individuelles Erleben
 und Verstehen, d.h. als Erleben und Verstehen in einem einzelnen Menschen. Dies heisst NICHT, dass das Erleben und
Verstehen eines einzelnen Menschen die ’sinnbegründenden’ Sachverhalte allererst ’schafft’, sondern nur, dass diese
 ’sinnbegründenden’ Sachverhalte in dem Moment des Erkennens in diesem jeweiligen Erkennen ‘bewusst’ werden. ‘Bewusst’
werden kann nur etwas, was schon ‘da’ ist und in seinem Dasein ’so wirksam’ ist, dass es ein ‘Bewusstwerden’ bewirken kann.

(3) Darüberhinaus kann ein Sachverhalt, der eine ‘Bewusstwerdung’ auslösen kann, diese Bewusstwerdung in mehr als einem
einzelnen Menschen zugleich auslösen; ein Sonnenaufgang (oder Untergang) kann von vielen Menschen ‘gleichzeitig’
wahrgenommen werden, wenn Sie sich ‘im Moment des Geschehens’ an einem ‘geeigneten Ort’ befinden.

(4) Schon diese wenigen Gedanken lassem nebenbei erkennen, dass sich Bewusstwerdung bei Menschen mit ‘Körperlichkeit’ paart: unser Erleben setzt eine irgenwie geartete Körperlichkeit voraus, dazu eine ‘Raumstruktur’, und eine ‘Gerichtetheit’ von Ereignissen als
‘Jetzt’ und ‘Vor dem Jetzt’ (’vorher’, ‘vergangen’ als ‘Erinnerbares’).

(5) Aufgrund unserer ‘Lebenserfahrung’ wissen wir,  wie ‘unterschiedlich’ einzelne Menschen das allgemeine Leben trotz
der vielen strukturellen Gemeinsamkeiten mit anderen Menschen erfahren können. Jeder ‘einzelne’ Mensch nimmt in der
Raumstruktur des Erlebens einen charakteristischen individuellen ‘Ort’ ein, von dem aus er die ‘umgebende Welt’ in
einer Weise erfährt, die sich absolut von der ‘Erlebnisspur’ eines anderen Menschen unterscheidet.

(6) Eine ‘individuelle Erlebnisspur’ enthält ‘externe’  und ‘interne’ Anteile: ‘extern’ insofern ‘etwas’ auf das
individuelle Erleben einwirkt, und ‘intern’, insofern diese Einwirkungen ‘Wirkungen hervorrufen’, die den einzelnen
Menschen in seinem ‘Erinnern’ und ‘Fühlen’ prägen.

(7) ‘Im’ Erleben des einzelnen Menschen ‘mischen’ sich die internen und externen Anteile kontinuierlich; je mehr
‘Erfahrung’ jemand hat, umso mehr beeinflussen die ‘vorhandenen’  internen Anteile die aktuell einwirkenden Anteile.
 Dies kann ‘hilfreich’ sein, wenn ‘bisherige Erfahrung’ das ‘aktuell Erlebte’ in ‘geeigneter’ Weise ‘einordnet’; dies
kann ‘hinderlich’ sein wenn die bisherigen Erfahrungen irgendwie ‘verzerrt’ sind und altuelles Erleben ‘falsch’
‘interpretiert’.

(8) Aufgrund unserer ‘Lebenserfahrung’ wissen wir ferner, dass es zwischen dem Erleben verschiedener einzelner Menschen
eine Art ‘Austausch’ durch ‘Kommunikation’ geben kann.

(9) Kommunikation besagt, dass verschiedene Menschen über ein ‘Zeichensystem’ (’Sprache’ L)verfügen, das in der Lage ist, Aspekte des individuellen Erlebens mittels ‘intersubjektivem (= externen) Zeichenmaterial’ so zu ‘repräsentieren’, dass ein individuelles Erleben A bestimmte Erlebnisse von A mit einer ‘Zeichenfolge’ Z so ‘enkodieren’ kann (enkodieren: A –> Z), dass ein anderes individuelles
Erleben B diese Zeichenfolge Z so ‘dekodieren’ kann (dekodieren: Z –> B), dass das Erleben in B eine ‘hinreichende Ähnlichkeit’ mit dem Erleben von A aufweist  SIMILARITY(Z(A),Z(B)).

(10)  Das grösste Problem in der zeichenbasierten (= ’sprachlichen’) Kommunikation ist die Herstellung dieser Ähnlichkeit SIMILARITY() sowie die ’subjektive Vergewisserung’, dass solch eine Ähnlichkeit in ‘hinreichendem Masse vorliegt.

(11) Da kein einzelner Mensch (unter ‘normalen’ Umständen),  in das Erleben eines anderen Menschen ‘direkt hineinschauen’ kann, kann sich kein einzelner Mensch so ohne weiteres ’sicher’ sein, dass der andere Mensch beim Gebrauch eines bestimmten Zeichenmaterials Z  (als Teil einer Sprache L) tatsächlich das ‘Gleiche’ ‘meint’ wie ‘er selbst’.

(12) Zu solch einer ‘Vergewisserung’ der ‘gemeinsamen Ähnlichkeit’ SIMILARITY() bedarf es ‘Formen von Interaktion’,
die ‘unabhängig’ von dem Zeicensystem (von der Sprache L) sind, die aber zugleich  geeignet sind, die ‘Vermutung einer Ähnlichkeit’ zu ‘unterstützen’. Dies berührt das Problem der ‘Entstehung von Sprache’: wie ist es möglich, dass Menschen neues Zeichenmaterial Z als Teil von L so ‘einführen’, dass sie ’sicher’ sein können, dass ‘alle Benutzer von L’ ‘das Gleiche’ ‘meinen’?

(13) Im Falle von ‘externen Ereignissen’, die ‘wiederholbar’ sind und die von allen Beteiligten ‘hinreichend ähnlich wahrgenommen werden können’, erscheint die Einführung einer ‘Verbindung’ von ‘erlebnisauslösendem Ereignis E’, ‘korrespondierendem Erleben Ph’ sowie ‘repräsentierendem Zeichen Z’ ansatzweise ‘nachvollziehbar’. Ein ‘Zeichen’ SYMB wäre dann diese komplexe Beziehung als ganzer, d.h. ein repräsentierendes Zeichen SYMB(E,Z,Ph) ist eine Beziehung zwischen E und Z und Ph, die als diese Beziehung ‘bewusst’ ist und als solche ‘erinnert’ werden kann (diese Überlegungen finden sich u.a. bei den grossen Semiotikern Charles S.Peirce und Charles Morris, aber auch schon bei früheren Philosphen der Scholastik und zumindest auch bei griechischen Philosophen).

(14) Man kann ahnen, dass die Realisierung eines solchen Zeichenbegriffs in der Praxis eine sehr komplexe ‘Maschinerie’ voraussetzt, dier hier vorläufig kein Thema sein soll (hier wären all die schönen Dinge einschlägig, die wir aus den Sprachwissenschaften kennen, der Psychologie, der Ethologie, den Neurowissenschaften, der Phonetik, der Anthropologie, der Automatentheorie usw.).

(15) Nehmen wir also an, dass Menschen in der Lage sind, repräsentierende Zeichen SYMB_i(E,Z,Ph) einzuführen, denen jeweils korrespondierende ‘erinnerbare interne Strukturen’ SYMB_i()_x entsprechen (’SYMB_i()_x’ wäre dann das repräsentierende Symbol i, das von dem Individuum x erinnert werden kann). Dann wäre ein Menschen A in der Lage, internes Erleben Ph, zu dem es ein erinnerbares repräsentierendes Symbol SYMB_i(_,Z,Ph)_A gibt, mittels eines kodierenden Zeichenmaterials Z zu ‘äussern’, und ein anderer Mensch B könnte mittels des Zeichenmaterials Z sein erinnerbares Zeichen SYMB_i(_,Z,Ph)_B ‘erinnern’. Er würde dann ‘annehmen’, dass das bei B durch Z induzierte Erleben Ph dem entspricht, was den A veranlasst hat, Z zu äussern.

(16) Schwieriger –bis unmöglich– wird es, wenn Menschen repräsentierende Zeichen für solches Erleben einführen wollen, dem keine direkten ‘intersubjektiven’ Ereignisse korrespondieren (was aber sehr umfangreich geschieht).

Zwischenergebnis 1:
(i) Individuelles Erleben ist möglich, weil es etwas dem Erleben Externes gibt, was dieses Erleben auslöst
(ii) Sofern die Einführung repräsentierender Zeichen gelingt, können Individuen Teile ihres Erlebens
durch solche Zeichen ‘kommunizieren’

(17) Was immer es an ’sinnrelevanten’ Zusammenhängen in dem für uns relevanten Teil des Kosmos geben mag, werden wir davon nur dann und nur soviel ‘erfahren’, insoweit diese Zusammenhänge unserem individuellen Erleben und unserer symbolischer Kommunikation  zugänglich werden. Sofern wir ein ‘Fehlen’ von Sinn in unserem Erleben und Kommunizieren konstatieren würden, würde dies zunächst nicht besagen, dass es keinen Sinn gibt, sondern nur, dass derjenige, der dieses Fehlen konstatiert, bislang nicht in der Lage war, sein Erleben  entsprechenden ’sinnstiftenden’ Sachverhalten in Berührung zu bringen.

(18) Ergänzend wäre anzumerken, dass der ‘Kontakt’ mit sinnstiftenden Sachverhalten sogar stattgefunden haben kann, dass aber die ‘Art und Weise’, wie dieses Erleben ‘kognitiv verarbeitet’ wurde, nicht in der Lage war, die  ’sinnrelevanten Anteile’ zu ‘erkennen’. Erkennen ist (man lese die entsprechenden Einträge im Blog) kein völlig automatischer immer gleichförmiger Prozess, sondern ein komplexes dynamisches Geschehen, das bei gleicher Wahrnehmungslage zu gänzlich unterschiedlichen Ergebnissen kommen kann, je nachdem, ‘wie’ jemand ‘aktiv denkt’.

(19) Eine Feststellung, dass ‘Sinn’ für uns ‘nicht möglich’ sei, ist unter Voraussetzung dieser Erkenntislage für uns prinzipiell nicht möglich. Wir können entweder nur feststellen, dass wir ‘noch nicht’ in der Lage sind, einen Sinn explizit zu benennen oder eben, dass uns bestimmte Sachverhalte als für uns ’sinnvoll’ erscheinen.

(20) Hier wäre jetzt zu klären ob und wieweit wir ‘mögliche sinnvollen Sachverhalte’ konkret, beispielhaft  identifizieren  können.

WIR SIND NICHT NICHTS — Oder: Zur Ethik des Lebens

(1) Die meisten Menschen haben wenigstens einmal im Leben in den nächtlichen Sternenhimmel geschaut. manche vielleicht mit einem Fernglas oder einem Teleskop verstärkt….Der Blick in dieses Meer an Sternen, Sonnen, Galaxien kann verwirren. Milliarden von Sonnen sollen da draußen sein. Ein beständiges Kommen und Gehen noch heute. Wir, am Rande der Milchstraße, eine von vielen Millionen Galaxien, auf der Flucht voreinander, seit 13 oder mehr Milliarden Jahren…Wen beschleicht da nicht das Gefühl einer großen Verlorenheit, eine Winzigkeit in einem schier unendlichen Raum, wo kein noch so lautes Lachen das Vakuum des Weltraums überwinden kann, das uns allenthalben umgibt….

(2) Ein Resümee dieser Art von Betrachtung kann sein: Wir sind buchstäblich ‘Nichts’. Die Wahrheit aber ist: Wir sind nicht Nichts!

(3) In dem Moment in dem einer diese meine Worte liest, muss er sich sagen, dass er ‘lebt’; nur deswegen kann er diese Worte lesen.

(4) Dass jemand ‘lebt’ bedeutet, dass er  einen ‘Körper’ hat, der weit mehr als 100 Milliarden Zellen hat, wo jede Zelle in sich ein kleiner Kosmos ist mit einer Komplexität, die bis heue noch nicht vollständig erforscht ist. Viel wichtiger noch: diese Zellen sind selbst ‘lebendig’: unfassbar viele chemische Prozesse finden in ihnen statt, in jedem Moment. Sie tauschen ‘Botschaften’ aus, sie koordinieren ihre Prozesse. Sie formen unterschiedliche Funktionseinheiten von einer Komplexität, die sich dem Begreifen bislang weitgehend widersetzt. Die Physiologen sprechen von ‘Organen’ (Leber, Niere, Herz, Blutkreislauf, Gehirn, Immunsystem,….), aber das Wort ‘Organ’ sagt so gut wie garnichts; eher verdeckt es das ungeheuerliche Geschehen, was sich hier kontinuierlich ereignet. Außerdem, beständig sterben Zellen auch wieder ab und neue bilden sich; ein ‘Kommen’ und ‘Gehen’….Kein einzelner Mensch kann bislang umfassend begreifen, was hier geschieht. Es gibt nicht nur ‘Galaxien da draussen’, es gibt solche ‘Galaxien’ auch  ‘in uns’……

(5) Zudem, ein biologisches Lebewesen ‘entsteht’: es beginnt als eine einzige Zelle, die anfängt, sich zu teilen, immer mehr, unaufhaltsam; gleichsam ‘aus dem Nichts’ entsteht etwas, ein Symphonie an Zellen, die sich in einem besonderen ‘Rhythmus’ teilen, aber nicht ‘planlos’, sondern einer ‘inneren Stimme’ in Form von chemischen Regeln folgend, die mehr und mehr eine ‘Ordnung’ erkennen lassen, mehrere Ordnungsebenen, aufeinander aufbauend, jede dieser über hundert Milliarden Zellen weiß, ‘was sie zu tun hat’….

(6) Diese Entstehung ‘lebender Strukturen’ läuft den Gesetzen der Physik bis zu einem gewissen Grad zuwider. Nach dem Gesetzt der Entropie soll sich die Energie in einem geschlossenen System auf Dauer ausgleichen. Die Bildung eines lebenden Systems ist aber das genaue Gegenteil: an einem bestimmten Punkt im System wird Energie in Form von Zellverbänden ‘angehäuft’, ‘verdichtet’. Die Physik hat dafür noch kein Gesetz. Fakt ist aber, dass dies im großen Maßstab geschieht; es muss also ‘Gesetze’ geben, die dies beschreiben. Die Physik läßt uns hier bislang im Stich.

(7) Wir wissen heute, dass es bis zur Entstehung unseres Sonnensystems mit der Erde und dem Mond ca. 10 Mrd Jahre gebraucht hat; weitere ca. 3.5 Mrd Jahre hat es gedauert, bis das Lebens aus ersten RNA- und DNA-Molekülen sich bis zur heutigen Form ‘hochgearbeitet’ hat. Zeiträume, die für uns, die wir bislang ca. 50-70 Jahre im Schnitt leben, jenseits aller Vorstellungskraft sind. Und dennoch, die entscheidende Botschaft ist, dass wir mit unserem unglaublich fantastischem Körper nur deshalb existieren, weil wir Teil eines umfassenden gigantischen  Prozesses sind, innerhalb dessen sich Miliarden unterschiedlichster biologischer Körper in Form von Tieren, Pflanzen, Mikroben, Bakterien usw.  als eine ‘Arbeitsgemeinschaft’ auf dem Planet Erde so eingerichtet hat, dass jeder auf seine Weise Energie aus der Umgebung entzieht und wiederum Energie dem anderen in irgendeiner Weise ‘zuspielt’, sehr oft zum Preis des eigenen ‘Todes’! Kein Körper kann alleine existieren! Leben heißt ‘per se’, dass man aus anderem Leben hervorgegangen ist und dass man nur im Zusammenspiel mit anderen Lebensformen selber leben kann!

(8) In dem Masse, wie einem diese Zusammenhänge klar werden, verliert der einzelne seine ‘isolierte Winzigkeit’ sondern es wird deutlich, dass es tatsächlich in erster Linien nur ein einziges großes Projekt gibt, das planetenumspannende Projekt Leben, das alle Tiefen (Erdreich, Ozeane) und Höhen (Luftschichten Atmosphäre) umfasst, das auf dem Prinzip der ‘Weitergabe von Generation zu Generation’ beruht, das an ‘Extremen’ (Hitze, Kälte, Trockenheit) geschult wurde, und das auf Effizienz basiert, da alle Ressourcen grundsätzlich knapp sind (dass wir ‘Menschen’ als selbsternannte ‘Ego-Idioten’ in der Lage sind, in wenigen Jahrtausenden alles zu zerstören, was in vielen Milliarden Jahren aufgebaut wurde, soll hier jetzt kein Thema sein).

(9) Obgleich schon die bisherige Betrachtungsweise viele Hinweise liefert, die den Gedanken unterstützen, dass wir als Teil des ‘Projektes Leben’ Teil von etwas sind, das Milliarden Jahre  überdauern kann und dazu einen kompletten Planeten bis zu einem gewissen Grad verändern konnte –und wir in diesem Sinne keinesfalls ‘Nichts’ sind–, ist dies noch nicht die ganze Geschichte. Denn, alle diese wunderbaren Eigenschaften, die uns am Beispiel der biologischen Strukturen  ins Auge fallen, kommen ja wiederum nicht aus dem ‘Nichts’, sondern gründen darauf, dass  die Bestandteile von Molekülen, die Atome, selbst keine ‘neutralen, blassen Nichtse’ sind sondern in sich eine reiche –wiederum höchst komplexe– Struktur besitzen, die so ist, dass jedes Atom –bildlich gesprochen– ein Bündel von spezifischen Eigenschaften verkörpert, verschiedene ‘Farben’, die nach bestimmten ‘vorgegebenen Gesetzen’ (!) auf unterschiedliche Weise in ‘Wechselwirkung’ treten. Atome als Atome können ‘nicht Nichts’ sein in dem Sinne, dass Sie die anderen Atome nicht ‘wahrnehmen’ würden; ein Atom ist quasi dazu ‘verurteilt’, mit einem anderen Atom in Wechselwirkung zu treten. In diesem Sinne sind Atome keine ‘geschlossenen’ Systeme, sondern ‘offene’ Systeme: sie tauschen zwangsläufig Eigenschaften aus und formen so systemische Einheiten ‘oberhalb’ der Organsationsebene ‘Atom’. Dies bedeutet, was immer wir an Atomverbindungen vorfinden bis dahin, dass wir Moleküle haben, die RNA- und DNA-Moleküle bilden können, diese Verbindungen  quasi ‘erzwungen’ sind aufgrund der Eigenschaften, die einzelne Atome ‘charakterisieren’. Dies bedeutet, in dem Moment wo es überhaupt solche Atome gibt wie jene, die unser Universum charakterisieren, in dem Moment ist der Weg zu komplexeren Einheiten angelegt.  Dass es bislang in dem uns bekannten Weltall nur einen einzigen Ort gibt, an dem diese ‘Kondensierung von komplexen lebensfähigen Strukturen’ tatsächlich stattgefunden hat, zeigt –unbeschadet der Möglichkeit, dass wir noch woanders im Weltall irgendwann Lebensformen finden können– dass diese Lebensform, von der wir ein Teil sind, etwas extrem Seltenes ist! In anderen Zusammenhängen sprechen Menschen gerne davon, dass etwas ‘kostbar’ sei und man deswegen dafür ein ‘hohen Preis zu zahlen bereit wäre’. Im Falle des biologischen Lebens im Weltall, das an Kostbarkeit kaum zu überbieten ist, verhalten wir uns bislang eher als grenzenlose ‘Verächter’ und treten es (und damit uns selbst) in  einer Weise mit Füßen, die kaum zu überbieten ist.

(10) Es wird heute immer noch die Meinung vertreten, dass es aufgrund der Größe des Weltalls mit höchster Wahrscheinlichkeit noch an vielen anderen Stellen im Universum Leben gibt und dass dieses Leben auch ganze andere Formen haben könnte als jene, die wir bislang kennen. Angesichts der immer mehr bekanntwerdenden Komplexität von Leben und der Entwicklung des Lebens auf der Erde in diesem Sonnensystem in dieser unserer Galaxie ist die mathematische Wahrscheinlichkeit, dass ein ähnlich komplexer Prozess irgendwo anders auch nochmals stattfinden konnte statistisch so gering ist, dass die angeführte Größe des Universums dafür mathematisch keinen Ausgleich liefern kann. Was den  anderen Punkt mit der möglichen anderen Form von Leben betrifft, so läßt die bis heute bekanntgewordene Struktur der Atome keine anderen Molekülformen zu; wenn sich Moleküle bilden, dann nur die, die bislang bekannt geworden sind. Auch wenn die mathematischen Modelle zur Beschreibung von Atomen statistischer Natur sind, die letztlich wirkende ‘Eigenschaftsstruktur’ der Atome ist nicht ‘beliebig’ sondern eher deterministisch und –sofern sich überhaupt komplexere Lebensformen bilden– der ‘Bootstrapping’-Prozess von Leben ist damit weitgehend vorgezeichnet (wenn er gelingt).

(11) Völlig offen ist, welche Formen Leben annehmen kann, wenn es –wie auf der Erde geschehen– sich bis zur Struktur von modellhaftem Denken, symbolischer Kommunikation, Selbstbewusstsein ‘hochgearbeitet’ hat und durch  Verfügbarmachung geeigneter Werkzeuge (Technologien)  auf die Struktur der Materie ‘zurückwirken’ kann; Genetik und Kernphysik bilden den Ausgangspunkt zu Organisationsformen, die es so noch nie gab. Allerdings weiß auch bislang niemand, in welche Richtung die Entwicklung gehen sollte. Die Menschen sind bislang noch so sehr mit sich selbst, lächerlichen Alltagsproblemen oder gegenseitiger Vernichtung beschäftigt, dass kaum Potential verfügbar ist, die eigentliche ‘Mission Leben’ in Angriff zu nehmen.  Eine erste Bewährungsprobe entsteht in den nächsten 25 Jahren z.B. dann, wenn die Weltbevölkerung die verfügbaren Ressourcen in Punkto Ernährung überschritten haben wird. In ein paar Millionen Jahren wird der Mond die Erde tanzen lassen, weil er sich dann weit genug von der Erde entfernt hat; sollten wir das in den Griff bekommen (im Prinzip nicht unmöglich) bleiben dem Leben noch ein paar hundert Millionen Jahre, bis die Sonne alles zum Verdampfen bringen wird; auch dies ist prinzipiell nicht unlösbar (auch wenn man sich angesichts unserer heutigen Alltagsformen und alltäglichen Vorstellungswelten nicht so recht vorstellen kann, wie eine solche Mentalität dies in den verfügbaren Zeiträumen schaffen soll).